Mike erinnerte sich an die Zeit als Polizeibeamter

„Laß uns mal in die Altstadt rein“

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War der Vorschlag von Werner. Mensch lief das gut, dachte Mike bereits jetzt schon mitten drin, am Täterkern. Sie besuchten einige Discotheken und Bars. Werner war in Hochstimmung Zwar sei er Schlachtergeselle, sagte Werner, doch das richtige Geld verdiene er nebenbei, ca. 5.000,–€ netto, steuerfrei, ein- bis zweimal die Woche. Das Geld saß ihm schon locker. Er gab Trinkgelder, in Höhe von 20,- €. Alle kannten ihn. Hallo Werner, wie geht’s? So klang es fast überall. Die Mädchen umringten ihn, waren freundlich und nett.

Das war wohl für Werner der kriminelle Antrieb. Vermeintliche Liebe und Bewunderung wurden ihm zum Verhängnis. Wie einfach scheinen doch die kompliziertesten Zusammenhänge eines menschlichen Lebens doch deutbar zu sein. Um Mitternacht verabschiedete sich Mike, er verabredete sich für den nächsten Tag mit Werner. Beide wollten dann richtig das Kölner Nachtleben genießen. Weitere Kontakte an diesem Abend waren nicht erforderlich. Es musste sich ein scheinbares Vertrauensverhältnis aufbauen. Dies brauchte seine Zeit, musste reifen. Zum nächsten Treffen brachte Mike seinen Freund und getreuen Mitarbeiter, Heino Breitenmoser mit.

 

Breitenmoser und Mike saßen schon vor der verabredeten Zeit im Lokal und hatten eine Flasche Whisky bestellt.

 

Der nötige, großzügige Rahmen war geschaffen. So oberflächlich ist das Urteilsvermögen in bestimmten Kreisen. Mike trug einen hellen Polakkordmantel, mit Pelzbesatz. Den Mantel legte er auch im Lokal nicht ab. Er galt sozusagen auch als ein bewusst gesetztes Signal für Werner. Hoffentlich kommt Werner, die Zeit blieb stehen. Wie würde das Spiel weitergehen? Die Wartezeit wurde zu Qual. Jetzt konnte schon alles zu Ende sein. Ob er etwas gemerkt hat? Wann könnte er es gemerkt haben? Diese Überlegungen gingen Mike durch den Kopf. Was für einen Fehler könnte er gemacht haben? Jede Einzelheit der letzten Zusammenkunft hatte er noch in Erinnerung. Jedes Lachen, jede spontane eigene Aktion, jede Reaktion erinnerte ihn. Nichts war zu erkennen, was ihn zu ängstigen brauchte. Die Tür ging auf, Werner trat ein. Alle Zweifel waren weggewischt. Die Show konnte, nein sie musste weitergehen.

Alle drei saßen nun am Tisch. Mike stellte seinen Freund vor. Als Grund gab er an, er wolle nun in Köln einen Imbissladen aufbauen und sein Freund habe Ahnung von Fleisch. Dazu brauche man ja einen Fachmann. Das sah auch Werner sofort ein. Und als Breitenmoser mit seinem badischen Dialekt, von Schnitzel-Steak und Schulteehausbeinen erzählte, war Werner überzeugt, dass Mike den richtigen Fachmann dabei hatte. Breitenmoser wurde schnell akzeptiert und die Altstadt sause konnte losgehen.

Mike zog einen dicken Bündel Geldscheine aus der Hosentasche und bezahlte, mit einem großzügigen Trinkgeld die Flasche Whisky. Ihr seid heute eingeladen, sagte Werner und wollte nun zeigen, was er sich alles leisten konnte. Die Fahrt mit dem Taxi ging zur Kölner Altstadt. Kaum in einem der Animierlokalen angekommen, umringten die hübschen Mädchen den spendablen Werner. Er war gut bekannt und verschwand auch sofort mit einem der „oben ohne Mädchen“ im Séparée‘.

 

Das ist wirklich ein toller Fleischauftrag, bemerkte Mike grinsend.

 

Soviel Fleisch und alles umsonst, erwiderte Breitenmoser, ebenfalls grinsend. Das Warten auf Werner war nicht unbedingt unangenehm. Aber Mike wollte dennoch an dem Auftrag Weiterarbeiten. Werner war aber nicht erreichbar. Hoffentlich bleibt er nicht zu lange, dachte Mike. Vieles ist noch zu ermitteln. Wie wird die Ware gestohlen? Wohin wird sie verkauft? Wenn Mike Ware bestellt, nimmt dann Werner eine Bestellung entgegen? Nimmt Werner Geld für eine Anzahlung? Viele Fragen blieben noch unbeantwortet.

Endlich kam Werner zurück, die Haare etwas zersaust, aber guter Dinge. Jetzt wurde wieder über das essbare Fleisch gesprochen, von Schlachter zu Schlachter. „Wir haben schon ein Kühlhaus, in der Max-Brauer-Allee,“ sagte Breitenmoser „Du kannst uns doch bestimmt Fleisch besorgen, wir brauchen 1000 Kilogramm Schnitzelfleisch, aus dem Schinken geschnitten!“ Was soll das kosten? 3000,-€.“ Dann kannst Du sofort eine Anzahlung, von 1.000,-€ erhalten!“ Mike blätterte sofort die Geldscheine auf den Tisch. Werner zögerte, nahm aber doch das Geld. „Vertrauen gegen Vertrauen,“ sagte Mike. „Du wirst ja mit dem Geld nicht durchbrennen!“ Alle lachten über diese Bemerkung. Das war jetzt schon der halbe Weg, die halbe Miete, um im Jargon zu bleiben. Die nächste Etappe war erreicht. Gerne hätten sie die Altstadtrunde an dieser Stelle abgebrochen. Das ging jedoch nicht, es wäre zu auffällig gewesen. So wurde es früher Morgen, bevor die Tour zu Ende ging. Ein nächstes Treffen wurde vereinbart. Die Wege trennten sich für einige Tage.

 

Zwischenzeitlich unternahmen Breitenmoser und Mike die Beobachtung des Firmengeländes,

 

um möglicherweise schon vorher Feststellungen zu treffen, die für eine spätere Aufdeckung der Diebstähle erforderlich sein könnten.

Beide standen mit dem Fahrzeug auf dem Kundenparkplatz und beobachteten die Abwicklung bei der Warenanliefern-Rampe.  Nach ca. zweistündiger Beobachtungszeit bemerkten sie, wie zunächst ein, dann ein zweiter junger Mann ihr Fahrzeug in Augenschein nahmen. Ihnen war klar, dass irgendetwas aufgefallen war. Sie konnten sich allerdings noch nicht ausmalen, welche Gründe Vorlagen. Diese hatten sie erst viel später erfahren. Sollten sie entdeckt worden sein, wäre alles umsonst gewesen. Später haben sie erfahren, dass gerade während ihrer Beobachtungszeit in der Zentrale des Supermarktes eine telefonische Bombendrohung eingegangen war. Die Hausdetektive und die Kripo waren bereits eingeschaltet. Die Hausdetektive hatten auf dem Parkplatz nach auswärtigen Fahrzeugen Ausschau gehalten und das Fahrzeug von Breitenmoser und Mike entdeckt.

Die Detektive wussten zwar nicht worum es ging, sie wussten aber, dass sie etwas unternehmen mussten. Sie bemerkten deutlich die Gefahr, die ihnen drohte. Sollte jemand ihr Fahrzeugkennzeichen überprüfen, wäre sofort bekannt, dass es sich um ein Detektei-Fahrzeug handelte.

Natürlich könnte das Fahrzeug auch auf einen neutralen Halter zugelassen werden. Die Zulassung über die Detektei bietet jedoch für die Detektive selbst mehr Sicherheit. Bei einer eventuellen Überprüfung, bei einer Entdeckung, durch die Polizei, geraten sie nicht selbst in den Verdacht Straftäter zu sein. In diesem Falle wären sie jedoch enttarnt gewesen.

Beide Detektive gingen nun auf dem schnellsten Wege in die Verkaufsräume und fragten sich zu dem Arbeitsplatz von Werner durch.

Die Hausdetektive verfolgten sie auf jedem Schritt. Werner war nicht schlecht über den Besuch erstaunt, wurde jedoch nicht argwöhnisch. Die Detektive verabschiedeten sich bald wieder. Sie waren sicher, dass die Hausdetektive bei Werner, über sie, Informationen einholen würden. Genau das taten sie auch. Werner sagte ihnen, dass es sich bei dem Besuch um zwei Freunde handeln würde. Die Auskunft stellte sie zufrieden. Die hochgefährliche Phase war vorbei. Am Abend erzählte Werner von der Bombendrohung und von dem Verdacht, der auf Mike und seinen Begleiter gefallen war.

„Wir als Bombenleger, das ist ja ein Witz“ Alle haben wir darüber gelacht. Allerdings ist jetzt noch einmal die Ernsthaftigkeit der Situation ganz deutlich geworden. An diesem Abend erzählte Werner im einzelnen, wie er an die Ware kommt. Ein Lieferfahrzeug wird ganz normal beladen und unter dem Vorwand, die Ware müsse zur Räucherei, wird die Fracht weggefahren. Da keinerlei Lieferpapiere über diesen Vorgang erstellt werden, ist der Diebstahl fast ohne Risiko. Über Einzeldaten weiß nach einigen Tagen keiner mehr genau Bescheid. Werner konnte auch immer angeben, dass die Ware bereits wieder aus der Räucherei zurückgekommen sei.

 

Jetzt wurde immer deutlicher, dass die Aktionen gut organisiert sein mussten.

 

Ware in der h/enge brauchte Abnehmer, Fahrer, Händler usw. Das Gespräch an diesem Abend war sehr aufschlussreich. Nun war es allerdings wieder erforderlich, etwas Ruhe in die ganze Angelegenheit zu bringen. Aus diesem Grunde wurden nicht allzu viele Fragen gestellt. Es blieb bei einem spaßigen Geplauder. Werner erzählte, dass bei unserer Altstadtrunde 3000,-€ und dazu die Anzahlung, in Höhe von 1.000,-€, für das Fleisch ausgegeben wurden. Mit der Fleischlieferung sei in Kürze zu rechnen, wurde in Aussicht gestellt. Nun wurde es wichtig, zur korrekten Abwicklung, die Behörden einzuschalten. Bei dem Gespräch am nächsten Morgen, bei der zuständigen Kripo stelle, zeigten die Beamten an der Sache großes Interesse. Ganz entgegen vieler anderer Erfahrungen waren die Beamten sofort zu Kooperation bereit. Planspiele wurden für den eigentlichen Zugriff geprobt. Alle Möglichkeiten und Eventualitäten und mögliche Schwierigkeiten wurden durchgerechnet und durchgespielt.

 

Der Tag der Fleischanlieferung konnte kommen.

 

Die Kontakte zu Werner waren an den folgenden Tagen bestens, nichts war aufgefallen. Nach einigen Tagen nerviger Wartezeit versprach Werner, beim abendlichen Treff: „Morgen bekommt ihr die Ware!“ Breitenmoser und Mike konnten sich kaum noch ruhig verhalten, es war soweit.

Die Kripo wurde davon in Kenntnis gesetzt. Sie stellten einen Observationstrupp zusammen. Mike und Breitenmoser hatten die Aufgabe die Abwicklung bei der Fleischrampe zu beobachten und sobald der beladene Fleischlaster abgefahren war, die Kripo zu informieren.

Detektei AC
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