Mike erinnerte sich an die Zeit als Polizeibeamter

Mike erinnerte sich an die Zeit als Polizeibeamter

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Wie wurde es damals gehandhabt, als Personen, gegen die ein Haftbefehl vorlag, festgenommen werden sollten?

Die Funkwagenbesatzung nahm einen Bündel Haftbefehle, wählte nach einem Zufallsverfahren Personen aus und klingelte an der Haustür. Öffnete niemand, war der Fall vorläufig erledigt und der nächste Klient wurde aufgesucht.

Diese schwache Leistung konnte er jetzt natürlich nicht mehr bieten. Wie konnte man jetzt Vorgehen, um Erfolg zu erzielen?

Zunächst mussten die Detektive in das mehrgeschossige Wohnhaus gelangen.

Dies gelang leicht, da die Haustür nicht verschlossen war, der Verschluss war nur eingerastet.

Wüst sah es im Hausflur aus. Die Briefkästen waren alle mit Werbezettel vollgepfropft. Vermutlich benutzte keiner der Anwohner für seinen Briefkasten einen Schlüssel. Das war deshalb zu vermuten, da alle Briefkästen an den Türen aufgebogen waren. Die Namen der Hausbewohner waren meist nur in das Metall der Briefkastentüren eingeritzt. Es waren alles ausländische, meist türkische Namen. Müllkästen standen im Hausflur und quollen über. Die vier Detektive schlichen das Treppenhaus entlang.

Er wohnt sicherlich ganz oben, dachte Mike. Das kannte er schon, aus seinem Polizei-Einsatzdienst. Häufig wohnten die Gesuchten Gesetzesbrecher in der obersten Etage. Deshalb nannte man dies bei der Polizei auch scherzhaft, die Schutzmannsetage. Der Psychologe könnte eine Erklärung dafür geben. Vermutlich ist ein besonderes Sicherheitsbedürfnis oder Angstgefühl, entstehend aus einem verdrängten Unrechtsbewusstsein entstanden..

Hassan K. wohnte natürlich ganz oben. Zumindest war sein Name, mit einem Filzstift auf die Holztür gekritzelt. Die Detektive lauschten an der Tür. Es war ganz ruhig. Alle waren in höchster Anspannung. Keiner wusste, was nun weiter ablaufen würde, was nun in den nächsten Minuten auf sie zukommen könnte.

Mike klingelte Sturm. Eine widerlich schrille Klingel brüllte in die Stille des morgens.

Danach wieder Totenstille. Lauschen, in der Wohnung bewegt sich etwas. Flüstern aus der Wohnung drang nach draußen. Das Knarren des Fußbodens war zu hören. Leise Schritte kamen näher zur Tür. Sie verharrten, ein bis zwei Meter vor der Wohnungstür. Wieder absolute Stille. Das Herz des Detektivs schlug bis zum Hals. Viel zu laut in dieser Situation. Der Atem ging heftig. Er atmete durch den Mund, um in der Stille den Körper geräuschlos zu halten. Der Pulsschlag, das arbeitende Herz, die erhöhte Atemfrequenz, er hatte das Gefühl ein tosendes Kraftwerk arbeite in seinem Körper.

Die Tür öffnete sich, Zentimeter für Zentimeter. Ein Kopf schob sich langsam in den Türspalt. Ein Männerkopf schaute vorsichtig durch die Tür.

„Zu Hassan K.l“, sagte Mike in barschem Ton. Sachlich, nüchtern, jedoch drängen d-„Beamtenton“ war angesagt.

Das ängstliche Gesicht musterte die vier Detektive. Besorgnis, Angst, Hilflosigkeit drückte sein fragendes Gesicht aus.

Was konnte man alles aus einem Gesicht ablesen, dachte Mike. Er hatte es oft kennengelernt, in der Kaufhausüberwachung.

Tausende Gesichter hatte er schon analysiert, ihren Blicken entnommen, was für Regungen in dem Gegenüber vorgingen. Er hatte nicht vorgeahnt, sondern genau erkannt, was sie dachten. Nur so hatte er überhaupt Erfolg erreicht. Die Gedanken von Menschen erkennen, aufgrund ihrer Mimik, Ihrer Blicke, die er wie Signale aufgefangen hatte. Die Signale wurden dann in Bruchteilen von Sekunden ausgewertet. Es ist wohl keine besondere Gabe. Ein Detektiv muss nur sensibel genug sein. Sicherlich kann jeder damit umgehen, der sich für Menschen interessiert. Durch ständig neue Erfahrungen, durch langjähriges Üben wurde das Gespür immer ausgeprägter, deutlicher, feinsinniger.

„Ich bin der Vater,“ sagte der Mann. Er wusste, wo sein Sohn war, das sah man ihm an. Er hatte Angst um ihn. Vermutlich hatte er die Detektive für Kripoleute oder Zivilfahnder oder ähnliches gehalten. Er rechnete wohl mit der Verhaftung seines Sohnes. „Wir müssen ihren Sohn sofort sprechen, dürfen wir hereinkommen?“ Der Mann führte die Detektive in die ärmlich eingerichtete Wohnung. Zwei Zimmer, das war alles. Eine ältere Frau war noch da. Von Hassan nichts zu sehen.

„Hassan ist noch in Hamburg, er wurde gesehen,“ sagte Mike. „Wir müssen ihn sofort sehen, „drängte einer der anderen Detektive.

„Ihr Sohn hat sonst große Nachteile,“ verstärkte er seine Forderung.

Er müsse telefonieren, sagte der Vater. Dazu muss er zur Telefonzelle gehen. Zwei Detektive gingen mit. Der Vater wählte die Nummer, ohne Vorwahl. Er könne den Aufenthaltsort seines Sohnes nicht nennen. Sein Sohn sei bei seiner Schwester untergebracht.

„Wann hat die Polizei zuletzt nach Hassan gefragt?“ Wollte Mike wissen. Die Polizei habe noch überhaupt nicht nach seinem Sohn gefragt.

Das Gericht sucht einen Mann, der in eine Rauschgiftaffäre verwickelt ist, bei dem ein Mensch getötet wurde, ein Schusswechsel mit der Polizei stattfand und niemand interessierte sich für den Beteiligten Hassan? Die Polizei erschwert sogar die Suche nach ihm. Was sind das für Machenschaften? Diese Frage stellte sich Mike. Er konnte keine Erklärung finden. Jahre später sind allerdings Vorgänge über die Hamburger Polizei bekannt geworden, die einiges erklären könnten.

Mike musste dringend zurück, der Bericht musste abgefasst und um 8.00 Uhr bei dem Gerichtstermin vorgelegt werden. Nachfolgend ein Auszug aus dem Bericht des Detektivs für den Auftraggeber:

Detektei AC
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