Die Erpressung in Hamburg

Die Erpressung in Hamburg

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„Kann ich Sie einmal besuchen?“ Fragte der männliche Anrufer.

Es war an einem Montag-Vormittag. „Geben Sie mir einen Termin, am besten noch heute Nachmittag,“ sagte der Mann. Mike war mit der terminlichen Vereinbarung einverstanden und bestellte den Auftraggeber in sein Büro. Zur vereinbarten Zeit erschien ein Mann, mittleren Alters, ca. 45 Jahre alt. Es war ein ruhiger, besonnener Mensch, aus der gehobenen Mittelschicht, so schätzte Mike die Person ab. Warum Mike dies immer tat, hatte auch seine besondere Begründung.

Für die Abrechnung der Aufträge gibt es keinerlei Tabellen oder Richtlinien. Jeder Auftraggeber hatte eine anders liegenden Ermittlungsauftrag. Für jeden war das Ergebnis etwas anderes, etwas Besonderes. Es stellte immer einen besonderen Gegenwert dar.

Mike musste bei der Festlegung des Kostenvoranschlages viele Punkte berücksichtigen.

Hierzu gehörten Umfang des Auftrages, Wichtigkeit für den Auftraggeber, die damit verbundenen Vorrechte oder Gewinne und auch die Zahlungsfähigkeit des Auftraggebers. Er musste für beide Seiten das richtige Maß treffen.

Ein Maler an der Ostseeküste, für den Mike einmal einen kleinen Auftrag erledigt hatte, erklärte ihm, dass er genau nach diesen Kriterien ein Bild verkaufe.

Was stellt das Bild aus der Sicht des Käufers, für ihn, einen Wert dar? Wie leistungsfähig ist er, was will er mit dem Kauf des Bildes erreichen? Genau danach, wie der Maler die Gesamtsituation einschätzte, benannte er seinen Preis.

Was ist ein Bild? Fragte der Maler damals. „Ein Stück Leinwand, ein bisschen Farbe, die Idee, das ist schon alles!“

Mike hatte fast immer das richtige Gefühl bei der Preisgestaltung.

Ein kleines, interessantes Spiel, eine kleine Lust war es Leistung, im Verhältnis zum Preis zu stellen und keinen zu benachteiligen.

„Ich war Chefarzt einer Großen Klinik im Norddeutschen Raum,“ erzählte der Auftraggeber. Eine meiner Assistenzschwestern machte mir schöne Augen und wir liebten uns. Bei unseren Liebesspielen, bei denen auch meine Frau einbezogen wurde, ergab es sich, dass Petra, so der Name der Assistenzschwester versuchte, ihre eigenen Vorteile aus dem Verhältnis zu ziehen. Petra war damals 18 Jahre alt, bildschön, lieb und doch schon verdorben. Das Liebesverhältnis prägte sich immer mehr zu einer geteilten Beziehung. Auf der einen Seite die Gefühlsebene, auf der anderen Seite die Vorteilsgewinnung. Hier mein schöner junger Körper, welche Vorteile bietest Du mir? Dienstliche Vorteile, finanzielle Zuwendungen, Bezahlung einer eigenen Wohnung, Finanzierung eines Urlaubes, all diese Vorteile nutzte Petra, mit steigenden Ansprüchen, aus. Die Liebesbeziehung, ohnehin erotisch, sexuell, sich immer weiter ausbreitend, war einseitig geprägt. Der Lustgewinn, von Petras Seite aus, in einer ständig steigenden, materiellen Forderung begründet.

Sie verstand es, vielleicht auch eigenen Neigungen folgend, jedenfalls gezielt, die sexuellen Praktiken, später als Druckmittel anzuwenden, in den Sado-Machosistischen Bereich zu leiten. Petra ordnete sich extrem unter, ließ sich fesseln und schlagen.

Sie brachte das Arztehepaar auch dazu Fotografien zu fertigen, auf denen eindeutig pornographische Darstellungen aller drei Personen zu sehen waren. Petra verfeinerte die ausgelegten Fangnetze immer mehr. Sie nahm den Chefarzt mit nach Hamburg, St. Pauli. Dort besuchten sie den ClubDe sade. In diesem Club wurden auf der Bühne Mädchen gefesselt und ausgepeitscht. Dort traf Petra eine Freundin, die ebenfalls bereit war in der bereits bestehenden Beziehung, sexuell mitzuwirken.

Petra war es auch gelungen, das sexuelle Verhältnis nach außen hin erkennbar werden zu lassen. So konnte sie Zeugen und Beweise für ihr Vorhaben sichern.

Der Tag war gekommen, als Petra sagte:“ Mein Schnucki, kannst Du mir helfen? Ich brauche 30.000,-€!“

„Wofür soll das Geld sein?“ Fragte der Chefarzt. „Ich brauche es für die Anschaffung eines Autos“, sagte Petra.

„Das Geld kann ich Dir nicht geben, das verstehst Du hoffentlich!“

„Denk bitte daran, was Du für berufliche Nachteile hast, wenn unser Verhältnis bekannt wird! Oder denke auch an die Fotos. Du sollst auch daran denken, was man von Dir hält, wenn in Deinem Dorf bekannt wird, dass Du mich gefesselt und geschlagen hast. 30.000,-€ tun Dir doch nicht

Weh. Noch in dieser Woche möchte ich das Geld“‚

Nun saß er ganz schön in der Klemme, er konnte kaum noch einen klarten Gedanken fassen. Bezahlt er nicht, ist das Verhältnis überall bekannt und er verliert seine Stellung als Chefarzt. Er blamiert sich nicht nur in seinem ganzen Dorf, sondern auch bei der gesamten Ärzteschaft. Was soll er tun?

Zahlt er das Geld, ist doch klar, dass die nächste Forderung nicht lange auf sich warten lässt. So oder so, eine optimale Lösung zu finden, wird gar nicht möglich sein. Wen sollte er um Rat fragen? Auch diese Chance bot sich ihm nicht. Wer hätte für seine Situation und sexuellen Ausschweifungen überhaupt Verständnis gehabt? Er kannte doch die doppelte Moral der Gesellschaft. All diese Gedanken beschäftigten ihn von früh bis spät, ausweglos die Situation.

Er musste noch einmal mit Petra reden, ihr klar machen, dass sie keinen Geldbetrag in der Höhe von ihm erwarten könne. Dass ihre Forderung ja bereits eine Erpressung darstelle.

Noch am selben Abend führte er ein Gespräch mit Petra. Sie lachte nur über seine Argumente.

Sie sagte zu ihm: „Das lässt Du nicht alles auf Dich zukommen, den Ärger, die Blamage. Du wirst mir das Geld geben.“

Auch das hatte nichts gebracht. Er musste einfach noch abwarten, noch hatte er Hoffnung, dass alles nicht so ernst gemeint war. Das kleine Biest hatte ihn nur Er stoppte seinen Gedankengang. Ihn nur …was? Was sollte das für einen Sinn ergeben?

Er musste abwarten.

Petra rief ihn zwei Tage später an und sagte ultimativ: “

Ich bekomme von Dir das Geld in zwei Tagen, sonst schicke ich die Bilder zum Krankenhaus!“ Rums, das war gesessen.

Er sank langsam in den Sessel. Den Blutdruck spürte er regelrecht abfallen, er hatte plötzlich weiche Knie, kraftlose Arme und es schien sich alles um ihn herumzudrehen.

Eine schlaflose Nacht folgte den bereits durchwachten anderen. Die Entscheidung für ihn war auch gefallen. Er musste zu Polizei und Strafanzeige gegen Petra erstatten, sich bloßstellen.

Was würde er alles angeben müssen? Wie würden die Beamten das alles aufnehmen? Was für ein Riesenschritt, vom Gedanken bis zur Ausführung. Der Beamte hatte ihm zugehört und volles Verständnis gezeigt.

„Gehen Sie auf die Forderung ihrer Bekannten ein“1 Dies riet ihm der Polizist. „Wir beobachten die Geldübergabe“!

Es gab kein Ausweichen, kein wenn und aber, jetzt musste er diesen Weg gehen, sei er auch noch so schwer.

Petra meldete sich wieder bei ihm. „Gibst Du mir das Geld?“ Ja ich gebe es Dir“‚ Wir treffen uns morgen Abend, 20.00 Uhr in der Discothek Shirlyl“ Sein Entschluss stand unumstößlich fest.

ln Absprache mit der Kripo wurde die Geldübergabe vereinbart.

Die Geldübergabe erfolgte zu dem genannten Termin. Die Polizei kam hinzu und verhaftete Petra.

Bei der polizeilichen Vernehmung gab sie die Erpressung zu. Sie wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Einige Tage später erschien ein Zeitungsartikel in einem überregionalen Tagesblatt: „Chefarzt trieb mit 18 jähriger Angestellten, perverse Sex- spiele!“

Ein Bericht, fast eine halbe Seite lang, mit detaillierten Schilderungen wurde abgedruckt. Nun war es doch noch schlimmer gekommen, als er vermutet hatte. Die nächsten Tage wurden unerträglich.

Alle Welt wusste, dass er ohnehin erledigt war. Sein Vertrag mit dem Krankenhaus wurde aufgelöst. Er hatte seinen Job verloren.

„Das ist die Vorgeschichte, zumindest der wichtigste Teil,“ sagte der Auftraggeber. Mike hatte der Geschichte, ohne Unterbrechung zugehört. „Jetzt beginnt aber mein eigentliches Problem,“ berichtete der Arzt weiter. „Ich muss mich jetzt noch wegen der Geschichte vor Gericht verantworten, wegen Körperverletzung“‚

Weshalb wegen Körperverletzung, fragte Mike?

Als der Vorfall über die Presse bekannt wurde, hat ein Staatsanwalt gegen mich ein Strafverfahren eingeleitet, wegen Körperverletzung. Gemeint ist das Fesseln und Schlagen, bei den Sex spielen“ Seine Auslegung gehe dahin, dass Petra zwar ihre Einwilligung zur Körperverletzung gegeben habe, was den Vorgang straffrei mache. Aber die Einwilligung sei, da sittenwidrig, unzulässig und somit strafbar.

„Der Vorwurf ist zwar äußerst konstruiert, aber es ist müßig da überzurätseln. Sie müssen Petra finden. Sie soll in Hamburg wohnen und auch den Strich gehen“

Sollte sich belegen lassen, dass Petra als Prostituierte arbeitet, hätte er vor Gericht eine Chance. Es wäre dann eine andere Position entstanden. Nicht ein schutzbedürftiges, unschuldiges Mädchen, sondern eine Prostituierte, die mit den Spielereien einverstanden war, stand ihm dann vor Gericht gegenüber. Nur dann könne er als Arzt seinen Beruf weiter ausüben, gab er zu bedenken.

Mike willigte ein, die Ermittlungen durchzuführen.

Was für eine schwierige Aufgabe, dachte Mike, ein Mädchen in Hamburg zu finden, das dort als Prostituierte tätig war. Tausende gab es davon, in den Bars, auf Kontakthöfen, auf der Straße oder Edelnutten.

Aufgrund umfangreicher Ermittlungen gelang es Mike die private Anschrift von Petra herauszufinden. Der erste Schritt war gesetzt. Jetzt musste er Kontakt zu ihr herstellen. Zu verschiedenen Tageszeiten hatte er versucht, sie bei ihrer Wohnung, persönlich anzutreffen.

Es war ein altes Mietshaus, in der finstersten Ecke Hamburgs. Nie war sie zu Hause. Verschiedene, junge Typen hatten während seiner Anwesenheit auch versucht Petra zu erreichen. Es waren Leute, die etwas mit Drogen zu tun haben mussten. Sie waren alle ungepflegt, gammlig, tiefliegende Augen, mit dunklen Augenrändern. Die jungen Männer trugen alle blitzende Diamanten im Ohr. Beschaffte Petra Drogen? Diese Frage musste aber nicht beantwortet werden. Mike versuchte öfter noch Petra anzutreffen. Als sich keine Möglichkeit bot, setzte er sich in sein Fahrzeug und schrieb einen Brief.

Einen Liebesbrief, der würde schon den Kontakt herstellen, glaubte Mike. Er schrieb:

„Liebe Petra, ich muss immer an Dich denken und möchte Dich einmal persönlich kennenlernen. Ich habe Dich einmal beim Einkäufen gesehen und Du hast mir so gut gefallen, dass ich Dich nicht vergessen kann. Deinen Namen und Deine Anschrift habe ich mir von einem Freund besorgt. Wenn ich Dich auch interessiere, rufe mich doch bitte einmal an. Ich bin Inhaber eines Hotels in Lübeck und immer erreichbar, unter der Tel.-Nr.:0451 –

Ich warte gerne auf Deinen Anruf.“

Gruß Arno.

Und Petra hat angerufen, gleich am nächsten Abend, gegen 22.00 Uhr Sie hat ihre Telefonnummer hinterlassen und wünschte einen baldigen Rückruf.

Mike wurde davon informiert und rief bei Petra zurück.

Sie war freundlich, wie eine alte Freundin und nahm sofort den Vorschlag, über eine persönliche Zusammenkunft an. Das Treffen sollte am folgenden Tag in ihrer Wohnung stattfinden.

Mike war zum angegebenen Zeitpunkt pünktlich, mit einem Blumenstrauß, in der Wohnung von Petra erschienen. Es war wirklich so, als würden sie sich Jahre kennen.

Petra klappte ihre Coutsch nach unten und zeigte sich bald von ihrer aktivsten Seite. Eine Freundin habe sie auch noch, die sie gerne einmal zu einem Spielchen zu dritt, einladen würde. Es sei eine ganz Hübsche. Sie wurde gerade auf der Titelseite vom „Pral(l)inchen“ abgebildet. Petra wollte sich wohl von ihrer besten Seite zeigen, um dem vermeintlich reichen Hotelbesitzer zu imponieren.

Mike legte ihr 300,–€ auf den Tisch und verabschiedete sich. Natürlich versprach er ihr, dass er sich wieder melden würde.

Jetzt war er zwar auch davon überzeugt, dass Petra für Geld ihren Körper verkaufen würde. Aber das war noch kein Beweis, der für den Auftraggeber ausreichend war.

Jetzt mussten noch weitere Ermittlungen folgen.

Er nahm sich die Hamburger Tageszeitung vor und studierte dort die einschlägigen Inserate. Viele Anrufe waren nötig, doch er hatte Glück. Er hatte die richtige Adresse erfahren. Petra ging anschaffen und annoncierte täglich.

Mike fuhr mit einem Mitarbeiter zu der angegebenen Adresse. Der Mitarbeiter hatte genügend Spesengeld erhalten und sollte nun die Dienste von Petra genießen.

Mike wartete im Auto auf die Rückkehr seines Mitarbeiters.

Einige Minuten waren vergangen. Verdammt, war sie nicht da, dachte Mike, als sein Mitarbeiter schon wieder zum Auto kam. Mike wunderte sich doch noch etwas über das errötete Gesicht seines Detektivs und fragte: „Ist sie nicht da?“

Doch, doch, alles in Ordnung, entgegnete sein Detektiv.

Jetzt musste Mike herzhaft lachen, als ihm klar war, dass sein Mitarbeiter die Gunst des Mädchens in Minutenschnelle über sich ergehen ließ. Das Ziel war in jedem Falle erreicht. Der Nachweis konnte erbracht werden, dass Petra als Prostituierte arbeitete.

Mike verfasste den Bericht und brachte die gute Nachricht, dem in Sylt praktizierenden Arzt, persönlich.

Er war sichtlich erleichtert und sah nun dem Gerichtstermin etwas gelassener entgegen.

Es kam zu keiner Verurteilung, das war das Ergebnis der Hauptverhandlung. Gegen eine Zahlung einer Geldbuse, an das Rote Kreuz, wurde das Verfahren eingestellt. Der Arzt konnte seinen Beruf weiter ausüben.

Detektei AC
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