Der Alltag der Detektive

„Herr Wachtmeister, kommen Sie schnell!“

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So rief aufgeregt ein junger Passant.
„In der Eck Gaststätte ist eine Messerstecherei!“ Der junge Wachtmeister Mike eilte zum Notruftelefon, verständigte die Einsatzleitstelle von dem Hilferuf und eilte in die Gaststätte.

Er hatte gerade seinen Fuß über die Schwelle der Gaststätte gesetzt und einen jungen Mann mit einem rießigen Schlachtermesser entdeckt, da ertönten bereits aus allen Richtungen die Martinshörner von vier bis fünf Funkstreifenwagen. Dank der sofortigen Unterstützung war der Vorgang schnell geklärt. Zusammenhalt war da. Er verwuchs immer weiter mit dem System. Mike betätigte sich selbst in der Freizeit als eifriger Polizist. Er stellte in der Freizeit jugendliche Banden in einem Waldstück, die sich auf Mopeddiebstähle spezialisiert hatten. Oder stellte nachts in einem Waldstück vier Farbige, die ohne Führerschein, mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug unterwegs waren. Mike stellte in der Freizeit zwei jugendliche Einbrecher, die prall gefüllte Sporttaschen aus einem aufgebrochenen Kiosk abtransportieren wollten.

Die Täter liefen davon. Doch er hatte gelernt, die Täter in jedem Falle zu stellen. Einer der Täter wollte trotz vorgehaltener Dienstpistole mit einem spitzen Gegenstand auf ihn einstechen. Dem jungen Polizisten gelang es, ohne den Einsatz seiner Schusswaffe, den Angriff abzuwehren. Wieder flüchtete der Täter. Mike schoss auf die Beine des Flüchtenden. Der Schuss streifte die Hose und ging zwischen den Beinen des flüchtenden Täters hindurch. Beide Täter entkamen, wurden allerdings am nächsten Tag aufgrund der Personenbeschreibung und eines bekanntgewordenen Namens gestellt.

Was geschah nun, bei der Berichtabfassung auf einem nahegelegenen Revier? „Oh weh, wieso haben Sie geschossen?“ Fragten einige ältere Beamte auf dem Revier.

Ein Schuss aus einer Polizeipistole, das war ein zu gewaltiges Ereignis.

Der Leiter der Kriminalwache schaltete sich ein. „Sie haben auf den unbekannten Täter geschossen!“ Er gab seine Anweisung, in welcher Form der Bericht abgefasst werden musste. Dieses Ereignis war für den jungen Polizeibeamten schockierend. Er hatte gelernt, wie Täter gestellt und verfolgt werden, auch wie auf sie geschossen wird. Er hat nicht geahnt, dass er nach einem solchen Einsatz alleine steht.

Mike wurde an einem regnerischen Sonntagmorgen, gegen 5.00 Uhr, zusammen mit seinem Streifenführer, über Funk zu einer Altstadtwohnung gerufen. Dort habe sich ein Verbrechen ereignet, das Treppenhaus sei mit Blut beschmiert. In raßender Fahrt ging es zum Tatort. Dort angekommen wurde ein alter Mann, am Boden liegend angetroffen. Der Mann war tot, er hatte einen Messerstich ins Herz bekommen.

In der Wohnung befand sich noch eine alte Frau, die sehr erregt war und den Tathergang, wie folgt schilderte:

Ein weitläufig Verwandter der Familie habe zusammen mit dem Erstochenen gezecht. Dann habe der jüngere Verwandte den alten Mann ständig geohrfeigt. Als sich der alte Mann nicht mehr zu helfen wusste, habe er ein Küchenmesser genommen und sich damit verteidigt. Daraufhin habe der jüngere Verwandte dem alten Mann das Messer entrissen, habe ihn erstochen und sei geflohen.

Während der Schilderung des Tatherganges durch die alte Frau, die schwer zu verstehen war, trat eilends ein Reporter über die Türschwelle, schoss ein Foto und verschwand wieder. Der Tatverdächtige war schnell gefunden. Er war mit seiner Erklärung, es habe sich um Notwehr gehandelt, schnell wieder auf freiem Fuß.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei waren derart oberflächlich, dass noch nicht einmal eine Befragung der am Tatort anwesenden Polizeibeamten durchgeführt wurde.

Der junge Polizist war wie vor den Kopf gestoßen.

Warum?

Das Foto des Getöteten war in einer Tageszeitung erschienen. Der Täter hatte sich darüber bei der Polizei beschwert. Jetzt waren plötzlich die beiden Polizeibeamten die einzigen Schuldigen. Der Mord war nun einmal nur Notwehr, aber warum haben sie es zugelassen, dass ein Fotograf ein Foto des Opfer machen konnte. Sie mussten sich rechtfertigen. Zunächst mündlich, danach schriftlich. Nach dieser Prozedur wurden die Beamten ermahnt, da sie den Tatort nicht genügend abgesichert hatten. Dem jungen Beamten Mike war deutlich geworden, dass ein pfiffiger Mörder weniger Ärger bekommt, als ein diensthabender Polizist, der nicht verhindern kann, dass ein pfiffiger Fotograf in sekundenschnelle ein Foto am Tatort fertigt.

Detektei AC
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