Personenschutz-Auftrag

Personenschutz-Auftrag

by

„Ich bin mit den Nerven fertig!“ So stellte sich eine junge, modisch gekleidete Frau im Büro von Mike vor. Nach den ersten Worten ahnte er, dass es sich um eine Prostituierte handelte. „Sie müssen mir helfen, mich beraten, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll!“ Die junge Frau erzählte, dass sie in einem Massageclub arbeitet, sich von ihrem Verlobten lösen wolle und von einem Zuhälter bedroht werde, der sie für sich gewinnen wolle. Die junge Frau übergab Mike einen Brief mit folgendem Inhalt:

Hiermit bestätige ich folgendes:

Bei einer Auseinandersetzung, im Dezember 1982, habe ich meine Verlobte, Frl. Petra M. mit der Faust mehrfach ins Gesicht geschlagen, so dass sie einen Nasenbeinbruch erlitt. Ich habe ihr dabei auch in den Magen getreten, dass sie sich übergeben musste. Ich habe ihr büschelweise Haare ausgerissen. bestätige auch, dass ich ihr einen Aschenbecher auf dem Kopf zerschlagen habe.Ich habe ihr die Kleider vom Körper gerissen und sie nackt durch die Glassplitter des Aschenbechers gezogen. Ich bestätige, dass ich ihr mit einem Messer ins Gesäß gestochen habe.

Ich habe ihr mit einer Schere fast den Finger abgetrennt und sie mehrere Stunden brutal gequält. Ich habe ihr auch brennende Zigaretten auf dem Bauch ausgedrückt.

Dies alles tut mir heute leid.

Ich bin damit einverstanden, wenn ich mich noch einmal in der Form zu solchen Tätlichkeiten und Brutalitäten hinreißen lasse, dass mich dann meine Verlobte anzeigen kann und dieses Geständnis der Polizei vorlegen darf.

Unterschrift Hans-Peter M.

Die Auftraggeberin sagte weiter, dass sie ihren Verlobten zwar liebe, sich allerdings doch jetzt von ihm trennen wolle, weil sie sich über ihn wieder geärgert habe.

Dass sie sich trennen wollten habe wiederum ein anderer Zuhälter erfahren, der ihr, um sie für sich arbeiten zu lassen, sehr übel mitspiele.

Ihr Verlobter sei außerdem in eine größere Diebstahlsache verwickelt.

„Was macht ihr Verlobter beruflich?“ Wollte Mike wissen.

Sie gab an, dass er in einem der bekanntesten und vornehmsten Bekleidungshäuser Lübecks als Abteilungsleiter tätig ist. Dort würde er auch die Diebstähle organisieren.

Bei dem Zuhälter, der sie bedrängen würde, handle es sich um Olaf S. Olaf S., das war bekannt, war vor einiger Zeit in eine Sache verwickelt, bei dem einem Ausländer mit einer Machete eine Hand abgetrennt und er danach erstochen wurde.

Dieser Zuhälter habe sie bereits einmal in einen Hinterhalt gelockt und brutal vergewaltigt. Als sie ihm nicht weiter zu Willen war, habe er sie schikaniert.

Er bestellte die Feuerwehr zu ihrer Wohnung, danach Krankenwagen, Leichenwagen, ließ Lastzugweise Kies vor ihrer Haustür abladen. Er bestellte in ihrem Namen Baumaterial, wie Steine, Zement, Sand und ließ alles vor ihrem Haus abliefern. Er rief auch schon mehrfach bei ihr an und sagte, dass er sie umbringen werde, wenn sie nicht für ihn auf den Strich gehe. Aus einem fahrenden Auto heraus habe man ihr auch schon in die Fensterscheibe geschossen.

„Wir helfen Ihnen,“ sagte Mike.

Wie stellte er sich diese Sicherheitsleistung vor?

Das war möglicherweise recht leicht. Das wusste Mike, Zuhälter suchen nicht die Konfrontation mit Gleichstarken. Sie sind im Prinzip feige.

Das Leben hat sie geprägt. Nur Stärke, sei sie auch nur gespielt, hält sie an der Macht. Sie müssen große Sprüche machen, müssen Menschen unterdrücken. Sie haben ein Gespür für Schwache. sie wissen, dass sich ihre Opfer aus Angst nicht an die Polizei wenden, da dieses als unehrenhaft, als schmutzig in ihrer Bewertung gilt.

Mike weiß, dass kein Respekt gezeigt werden darf, keine Angst, auch nicht im Ansatz zeigen. Ihnen entgegentreten, sie mit den eigenen Waffen schlagen, das verhindert Angriffe. Mike wusste schon wie er vorzugehen hatte, wie man Personen schützen konnte. Einmal Polizist immer Polizist. Nichts hasste er mehr als Kriminelle.

Oft stand er ihnen gegenüber, oft alleine, auch kriminellen Banden. Alleine musste er gegen Gruppen einschreiten. Er musste Profis bei größeren Diebstählen stellen. Davorstehen, Auge in Auge sehen. Er musste sich immer wieder neu motivieren, um den Stress dieser Situationen zu bewältigen. „Dieses Schwein, diese Ratte will an meine Gesundheit, will an mein Leben. „Das waren seine Gedanken, seine Motivation. Damit brachte er sich auf höchste Stimulanz. Der Wille kann Berge versetzen. Selbst ein einzelner Mensch kann die Welt verändern. Dafür gibt es sogar positive Beispiele aus der Weltpolitik. Natürlich hatte er Angst. Er bezwang aber immer diese Angst und machte es sich zum Prinzip nicht zurückzuweichen. Er nutzte die unendliche Quelle seiner inneren Kraft. Nur so konnte er bestehen.

Etwas viel verlangt von einem einzelnen Menschen?

 

Sicherlich, gute Detektive gibt es nicht häufiger, als gute Fußballer, Rennfahrer oder gute Bergsteiger.

Mike vereinbarte mit der Auftraggeberin , dass sie sich eindeutig, von den sie bedrohenden Personen, distanzieren sollte. Er schlug ihr mehrere Besuche, mit verschiedenen Detektiven in ihrer Wohnung vor. Jeder sollte sehen, dass sie nicht auf sich alleine gestellt war, sondern Unterstützung von vielen Seiten zu erwarten hatte.

Ob es nun zufällig geschah oder ihre eigene, durch die Unterstützung gestärkte Entschlusskraft dazu beigetragen hatte, wer wollte das beurteilen, der Erfolg stellte sich unvermittelt ein. Es war ja auch nicht nötig dies zu analysieren, wichtig war das Ergebnis. Es gab keine belästigenden Anrufe mehr. Bereits nach den ersten Besuchen hatte sie ihre Ruhe wiedergefunden und blieb von unliebsamen Attacken verschont.

An dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass es zunächst einige Zweifel am Wahrheitsgehalt, bei der drastisch geschilderten Bedrohung, durch den genannten Zuhälter gab. Ein Detektiv konnte jedoch bei seinem ersten Besuch bei der Auftraggeberin den Anruf des Zuhälters über einen Mithör-Lautsprecher miterleben.

Die Auftraggeberin hatte in ihrer Schilderung dessen noch untertrieben. Erstaunlich, welche kriminelle Energie doch von dem Anrufer entwickelt wurde. Es klang erschreckend gefährlich.

 

Detektei AC
Menü Mobile